Als wir uns mit der traditionellen Ernährung und den Bausteinen für starke Zähne beschäftigten, begriffen wir schnell, dass wir nicht drum herum kommen würden, eine Knochenbrühe zu kochen – auch wenn es uns nach jahrelangem Verzicht auf Fleisch erst einmal sehr schwer fiel. In den Knochen eines gesunden Tieres sind nämlich genau die Bausteine enthalten, die auch wir für gesunde Knochen und starke Zähne benötigen. So erhofften wir, unseren Zähnen das zurückzugeben, was wir unserem Körper jahrelang aus Unwissenheit vorenthalten hatten. Dass dies keine blanke Theorie war, bestätigte uns der nächste Zahnarztbesuch, der nach jahrelangen Strapazen das erste Mal  positiv ausging.

War Omas Knochenbrühe in Wirklichkeit eine Fleischbrühe?

Doch lernten wir im Laufe der Jahre auch den Wert einer altbekannten Brühe kennen, die wir völlig unterschätzten: die Fleischbrühe. Schnell stellten wir uns die Frage, ob Omas Brühe nicht viel öfter eine Fleischbrühe war, anstatt eine Knochenbrühe?

Während unserer Recherchen stießen wir auf weitere interessante Punkte: Knochenbrühe wurde traditionell eher im Herbst und Winter zubereitet, wenn gerade frisch geschlachtet wurde. Im Vergleich zu einer kurz gekochten Fleischbrühe ist eine lang gekochte Knochenbrühe um einiges langwieriger zu kochen (der Herd muss mindestens 16 Stunden beaufsichtigt werden) und demnach kein praktikables  Alltagsgericht, sondern etwas besonderes.

Kraftbrühen: Die verborgene Stärke in traditionellen Suppen und Eintöpfen

Kennst du den Ausspruch: “Hühnersuppe für die Seele”? Diesen Satz haben wir jahrelang nicht ernst genommen, aber für uns steht mittlerweile fest: Es gibt wohl kaum etwas, das mehr nährt und zufrieden macht als eine Suppe oder ein Eintopf auf Basis einer echten Brühe. Hier sprechen wir nicht von einer Gemüsebrühe, die natürlich auch gesund ist. Aber dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit nach dem Essen erleben wir nur mit einer Brühe auf Basis von Knochen und Fleisch.

Schon im alten Ayurveda galten Fleischbrühen als das wichtigste und heilsamste Lebensmittel. Die moderne Interpretation einer vegetarischen oder gar veganen Form dieser Brühe entspricht kaum der Realität.

Fleischbrühe vs- Knochenbrühe

Fleischbrühe

Inhaltsstoffe

Reich an Proteinen, Kollagen, Gelatine (besteht zu 90% aus Kollagen), Elastin, Glykoproteinen, Aminosäuren, Hyaluronsäure, Proteoglykanen und vielen weiteren bioverfügbaren Mikronährstoffen

Wirkung

Fleischbrühe = „heilende Schonkost“, gut für den Start, wenn Darm und Nervensystem empfindlich sind. Fleischbrühe beruhigt den Darm, indem sie sich wie ein Schutzfilm auf die Darmschleimwand legt (besonders sinnvoll bei Leaky gut). Lindert Entzündungsherde im Darm. Sehr nährend, kräftig und füllt leere Nährstoffspeicher auf. Bei Histaminintoleranz, Migräne, neurologischen Themen, starker Reizdarm-Problematik oder SIBO empfehlen viele Therapeuten eher Fleischbrühe als Einstieg.

Verträglichkeit

Kaum bis keine Nebenwirkungen, daher leicht verträglich und in üblichen Mengen für jeden gut bekömmlich. Menschen, die eine schlechte Fettverdauung haben, sollten etwas Fett von der Brühe abschöpfen. Allerdings wirkt gutes Fett sehr heilsam und ist ein wichtiger Bestandteil der Brühe. Zu viel Fett kann allerdings schwer im Magen liegen und Übelkeit oder Bauchschmerzen verursachen.

Geschmack

Schmeckt in der Regel saftiger, fleischiger und den meisten auch besser. Natürlich bringt jedes Tier einen anderen Geschmack in die Brühe.

Zutaten/ Komponenten

Enthält Fleischknochen, optional auch Suppenfleisch, Gerippe, Füße, Hälse, Schwänze, Haut, optional auch Gemüse, Kräuter und Gewürze. Das vorherige Anrösten oder Anbraten der Fleischknochen verbessert zusätzlich den Geschmack.

Utensilien

Kann im Kochtopf auf dem Herd gekocht werden. Optional auch im Slowcooker (Highcookingprogramm) oder im Schnellkochtopf.

Kochzeit

Je nach Knochendicke und -größe, beträgt die Kochzeit zwischen 2 und 7 Stunden. Bei Fisch und einzelnen Hühnerteilen eher 2 bis 3 Stunden.Kräuter und Gemüse werden erst gegen Ende der Kochzeit hinzugegeben.

Knochenbrühe

Inhaltsstoffe

Enthält dreimal mehr Aminosäuren als Fleischbrühe Besonders reich an: Kollagen, Gelatine, Glycin, Prolin, Glutamin und Alanin. Reich an Mineralien und Spurenelementen wie z. B.  Natrium, Kalium, Magnesium, Phosphor, Silizium, Kupfer, sowie Zink und Eisen.

Wirkung

Lange Kochzeiten lösen mehr Kollagen, Gelatine, Glycin, Prolin, Glutamin und Mineralien aus Knochen und Knorpel. Diese Nährstoffe werden immer wieder mit Darmbarriere, Schleimhaut, Entzündungsmodulation in Verbindung gebracht.

Verträglichkeit

Knochenbrühe = „konzentrierter Nährstoffbooster“ für Darm, Gelenke, Haut – super bei stabiler Verdauung, kann aber bei sensiblen Menschen mehr Reaktionen auslösen. Durch die lange Kochzeit entstehen reichlich Histamine und Glutaminsäure. Knochenbrühe kann stark entgiften und somit Herxheimer Reaktionen triggern (Entgiftungserscheinungen). Kleine Mengen werden zu Beginn besser vertragen.

Geschmack

Kann sehr intensiv und auch “knochig” schmecken, wenn sie nicht mit ausreichend Gewürzen, Gemüse und auch Fleischteilen kombiniert wird.

Zutaten/ Komponenten

Enthält mehr reine Knochen (gerne auch Markknochen) und weniger Fleischanteile. Fleisch- oder Suppenknochen können aber genauso verwendet werden. Zur Geschmacksaufwertung auch alle restlichen Zutaten, die bei einer Fleischbrühe verwendet werden, z. B. Gewürze, Kräuter und Gemüse. Das vorherige Anrösten oder Anbraten der Knochen verbessert zusätzlich den Geschmack. Knochenbrühe wird mit Wasser und einem Schluck Essig (z.B. Apfelessig) gekocht (kein Salz!). Die Säure unterstützt das Herauslösen von Mineralien.

Utensilien

Da es sich nicht empfiehlt, den Herd ohne Aufsicht oder über Nacht laufen zu lassen, sollte die Knochenbrühe in einem Slowcooker (Slow Cooking Program)gekocht werden. Dieses Programm ermöglicht durch ein sanftes Simmern, dass die Mineralien aus den Knochen schonend herausgelöst werden. Dieser Prozess ist eher als leichtes “Köcheln” und nicht als Kochen zu bezeichnen. Wird die Knochenbrühe doch auf dem Herd zubereitet, sollte darauf geachtet werden, dass das Wasser lediglich simmert und nicht stark kocht.

Kochzeit

Die Kochzeit beträgt 16 bis 48 Stunden.Kräuter und Gemüse werden erst gegen Ende der Kochzeit hinzugegeben.

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Kochkunst im Sud: Eine Fotografische Reise durch unsere Brühenwelten

Im Folgenden findest du einige Beispiele anhand von Bildern diverser Brühen, die in unseren Küchen entstanden sind. Wir legen Wert darauf, dass unsere Brühen so gestaltet sind, dass sie einen heilsamen Effekt auf den Darm haben und ihm Bausteine für die Heilung liefern.

Klicke auf die Pfeile und begib dich auf eine kulinarische Reise, um die vielfältige Welt der herzhaften Brühen zu entdecken.

Fleischsuppe nach dem Rezept von Oma Rosa

Heidis Oma kocht nach der Uhrzeit, denn pünktlich um 12.00 Uhr muss das Essen auf dem Tisch stehen.

Sie erzählte uns, dass sie um 8.00 Uhr anfängt, das Gemüse zu schälen und in einen Topf mit Wasser gibt. Um 9:00 Uhr gibt sie das Fleisch dazu und um 11:45 Uhr holt sie alles aus der Brühe heraus, gibt Suppennudeln dazu und kippt das Fleisch und die Karotten wieder rein. Fertig ist die Fleischsuppe, und ein nahrhaftes Mittagessen steht auf dem Tisch.

Omas gute Fleischbrühe

Oma Rosa sagt, dass ihre Suppe Kraft gibt und das Beste bei einer Erkältung ist. Sie erzählt, dass sie das Rezept ihrer Großmutter heute noch fast genauso kocht, wie sie es ihr damals beigebracht hatte. Das einzige, was sie seit ein paar Jahren anders macht, ist, dass sie Fleischstücke in die Brühe gibt und keine Fleischknochen mehr. So hat sie mehr Fleisch in der Suppe und muss das Fleisch nicht mehr vom Knochen kratzen. Wenn man bedenkt, dass Heidis Oma 91 ist, finden wir es großartig, dass sie überhaupt noch am Herd steht.

Oma Rosa ist eine Oma aus dem Bilderbuch, mit Kittelschürze und immer mit einem kessen Spruch auf den Lippen. Sie weiß, wie man noch richtige Hausmannskost zubereitet und hat 11 gesunde Kinder zu Hause geboren und großgezogen. Sie erzählt heute noch, dass alle gesund das Haus verlassen haben: Die späteren Krankheiten haben sie sich allein zuzuschreiben.

Omas Knochenbrühe war in Wirklichkeit meist eine Fleischbrühe

Tatsächlich war Knochen- und Fleischsuppe dafür beliebt, um Schlachtabfälle zu verwerten und die Familie mit einem kräftigen Eintopf zu stärken. Die sehr lange gekochte Knochenbrühe gab es nicht so oft wie die kurz gekochte Knochen- oder Fleischsuppe.

Fleischbrühe aus Fleischknochen war als Knochensuppe bekannt und eine Brühe auf Basis von Fleisch (ohne Knochen) als Fleischsuppe.

Wenn man bedenkt, wie lange eine echte (lang gekochte) Knochenbrühe auf dem Herd kocht, war das nicht immer praktikabel. Dennoch ist auch das eine uralte Kochtechnik, die viele Benefits für unsere Gesundheit bringt und nicht in Vergessenheit geraten sollte.  

Ein paar Kleinigkeiten macht Oma Rosa anders als wir, und nicht alles an Omas Rezept ist vollwertig. Oma Rosa gibt das Gemüse eine Stunde vor dem Fleisch in die Brühe. Sie gibt ganze Karotten und große Stücke Sellerie und Lauch hinein. Sie meint, es brauche länger, bis es weich wird. Sie möchte den Geschmack und die Nährstoffe rauskochen. Wir dagegen geben das Gemüse meist erst in der letzten Kochstunde dazu und schneiden es in kleine Stückchen, so können wir es noch mitessen. Oma Rosa fischt die Karotten heraus und gibt sie in den Suppenteller, und der Rest vom Gemüse darf getrost auf den Kompost. Oma Rosa gibt in den letzten 5 Minuten abgepackte Suppennudeln dazu. Wir würden vollwertige Pasta (oder kleine Teigbatzen) aus frisch gemahlenem Getreide selbst machen. Wir haben Omas Rezept leicht abgewandelt und geben das Gemüse zumindest gleichzeitig mit dem Fleisch in den Topf, und die Suppennudeln lassen wir einfach weg. Du siehst, dass man auch Omas Rezepte ein wenig unter die Lupe nehmen darf. Denn wir müssen bedenken, dass unsere Großeltern auch im Zeitalter der Industrialisierung aufgewachsen sind. Traditionelle Ernährung bedeutet jedoch, dass wir uns weitestgehend von Fertigprodukten fernhalten und unverarbeitete Lebensmittel verwenden und somit «Clean Eating» in seiner reinsten und ursprünglichen Form praktizieren. Wenn deine Kinder die Brühe lieber mit gekaufte Pasta essen, ist es natürlich nicht verwerflich, mal einen Kompromiss einzugehen. Nun kommen wir zum Rezept für Knochensuppe nach Oma Rosa.